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11. - 12. November 2020 // Nürnberg, Germany

Net.Law.S Newsroom

Neue Arbeitswelt: Wir brauchen eine digitale Kommunikationskultur

New Work: Das ist Arbeiten 4.0

New Work: Das ist Arbeiten 4.0
New Work: Das ist Arbeiten 4.0 // © KatarzynaBialasiewicz / istockphoto.com

Chat statt Fax. Kommunikationsinseln statt Konferenzräumen. Shared Desks statt Einzelbüros. Der typische Arbeitsplatz in deutschen Unternehmen verändert sich. Manche sprechen von „Arbeiten 4.0“ andere von New Work. Die Gründe für den Wandel sind vielfältig. Einer der wichtigsten ist die zunehmende Digitalisierung und die damit einhergehenden neuen Möglichkeiten. Renate Radon, ehemalige Top-Managerin bei SAP, Capgemini, IBM und Microsoft, berät Industrie- und Technologieunternehmen zu Themen rund um Industrie 4.0. Im Net.Law.S Interview erklärt sie ihre Sicht auf Arbeiten 4.0 und was sie mit digitaler Kommunikationskultur meint.
 

Net.Law.S: Ein Interview über Arbeiten 4.0: Dann müssten Sie ja eigentlich gerade mit ihrem Laptop vor Ihrem Lieblingscafé in der Sonne sitzen?

Renate Radon: Nicht immer, aber immer öfter – wenn es geht und ich nicht Ruhe und Konzentration brauche, mache ich von dieser Freiheit des neuen Arbeitens gerne Gebrauch.
 

Was genau verstehen Sie denn unter diesem „neuen Arbeiten“?

Arbeiten 4.0 ist eine Frage des Mindsets: Wie organisiere ich meine Arbeit effizient unter Zuhilfenahme neuer Technologien? Im Idealfall entlasten mich diese und erlauben mir mehr Zeit für kreative Dinge, zum Beispiel die Teilnahme an Diskussionen und Weiterbildungen oder die Lektüre von Artikeln und Büchern.
 

Welche Rolle spielt die Digitale Transformation dabei?

Die Digitale Transformation spielt in zweierlei Hinsicht eine wichtige Rolle: Durch neue Technologien kann Arbeit anders, effizienter und flexibler in nahezu allen Industriebereichen organisiert werden – eine große Veränderung, die sich auch auf jeden Einzelnen auswirkt. Und dann wird auch noch die persönliche Einstellung der Menschen gefordert, denn die neuen Technologien erfordern ein lebenslanges Lernen – eine sehr schöne Sache, wie ich finde. Denn das bedeutet, dass das einmal Gelernte nicht mehr für ein ganzes Berufsleben ausreicht. Und das wiederum gibt uns die Chance, ständig dazuzulernen, unser Wissen zu erweitern und unsere Fähigkeiten zu verbessern.

So digital ist die deutsche Wirtschaft bereits


Inwieweit werden die verschiedenen Möglichkeiten des neuen Arbeitens bereits in deutschen Unternehmen genutzt?

Kollaborationstechnologien sind inzwischen weit verbreitet und werden zunehmend abteilungs-, aber auch unternehmensgreifend genutzt. So werden in Konferenzen Präsentationen geteilt und am virtuellen Whiteboard Lösungen entworfen, zu wichtigen Themen wird gebloggt und in Chatforen tauschen sich Abteilungen virtuell aus.

Und welche Potentiale werden Ihrer Meinung nach noch viel zu wenig genutzt?

Ich glaube, dass wir die vielfältigen Möglichkeiten bereits recht gut nutzen. Was wir benötigen, ist eine „digitale Kommunikationskultur“. In der analogen Welt haben wir die perfekt entwickelt. In der digitalen Welt müssen wir sie erst noch klarer herausbilden: Wann und wie blogge ich, wie kommuniziere ich werthaltig, wie und auf welchem/n Kanal/älen teile ich das Wissen am besten? Ein Thema, das in Zukunft noch wichtiger werden wird, ist die Nutzung von Künstlicher Intelligenz. Hier müssen wir lernen, wie wir diese als nützliches, selbstverständliches Werkzeug begreifen, das wir nutzen und an das wir Arbeit delegieren können.   

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Ein anderes Schlagwort neben Künstlicher Intelligenz ist agiles Arbeiten: Ist das der neue Standard, wie wir zukünftig zusammenarbeiten?

Es wird zumindest eine ganz wichtige Arbeitsmethodik sein. Um schneller auf Veränderungen reagieren zu können, müssen wir viel stärker „interdisziplinär“ arbeiten; d.h. abteilungsübergreifend, mehrere Sichten zusammenbringen, Wissen austauschen, schnell gemeinsam die beste Lösung identifizieren. Das bedeutet auch, Lösungen frühzeitig austesten, Fehler früh erkennen und dann besser werden – es muss eine Kultur des „aus Fehlern lernen“ geben.
 

Was müssen Unternehmen beachten, die auf agile Prozesse und Arbeitsweisen umstellen wollen?

Ganz wichtig ist es, das Arbeiten in „Silos“ aufzubrechen und Abteilungen zusammenzubringen: den Vertrieb mit der Entwicklung, die Entwicklung zum Kunden, Kooperation zwischen den einzelnen Produktionswerken eines Unternehmens ermöglichen. Dies ist oft gar nicht so einfach, weil die Produktionsdaten nicht in transparenter Form vorliegen, die ein „Lernen von den Besten“ ermöglichen. Eine Lernkultur im Unternehmen zu etablieren, ist diese wichtigste Voraussetzung dafür, dass das Unternehmen agil wird und bleibt.
 

Und welchen Einfluss hat das auf den Führungsstil im Unternehmen und was wird von Führungskräften zukünftig erwartet?

Es ist sicherlich auch zukünftig so, dass es in einem Unternehmen Menschen gibt, die die Verantwortung für das Unternehmen tragen. Was sich geändert hat, ist, dass die Kommunikation über die Unternehmensbereiche und -hierarchien hinweg „auf Augenhöhe“ stattfinden muss: klar, kompetent und stets auf ein Miteinander ausgerichtet.

So gehen Sie richtig mit den Hürden der Digitalen Transformation um

Lernen kann in alle Richtungen stattfinden – nicht nur von oben nach unten. Die Einstellung, den Anderen als Partner zu begreifen, von dem man etwas lernen kann, ist ein Schlüsselerfolgsfaktor. Die Führungskraft von heute weiß nicht alles und erst recht nicht alles besser. Sie weiß aber, wie und wann sie die richtigen Experten zusammenbringen sollte.

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Bei all den nötigen Veränderungen: Wie schafft man es, weder die jungen Mitarbeiter noch die erfahrenen Mitarbeiter durch ein zu wenig oder zu viel davon zu frustrieren?

Durch eine klare Kommunikation: informieren, mitnehmen, Feedback einholen, Motive für Änderungen kommunizieren. Und dabei helfen uns die neuen Technologien – insbesondere die Kollaborationsplattformen. Zudem gilt es, Anreize zu schaffen, indem man positive Beispiele präsentiert oder Methoden des Gaming anwendet. Generationsübergreifende Teams sind wichtig, um die neuen Technologien flächendeckend im Unternehmen zu verankern.
 

Und was erwartet uns nach dem Arbeiten 4.0?

Vermutlich Arbeiten X.0.
 

Danke für die Einblicke.

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